Schmerzhaftes Leiden. Hüftgelenksdysplasie (HD)
Viele Hundebesitzer haben den Begriff Hüftgelenksdysplasie (HD) schon einmal
gehört oder wurden vielleicht mit diesem Problem schon konfrontiert. Bei
der Hüftgelenksdysplasie handelt es sich um eine vererbbare Erkrankung
der Hüftgelenke, die vor allem grössere Hunderasse betrifft (Deutscher
Schäfer, Doggen und so weiter). Bei der HD kommt es in der Folge zu leichten
bis schweren Arthrosen (Gelenkabnutzung) der Hüftgelenke. Diese Arthrose
verursacht auch die zum Teil heftigen und andauernden Schmerzen, die diese Hunde
bei jedem Schritt verspüren.
Die genetische Veranlagung ist meist nicht allein dafür verantwortlich,
wenn ein Hund im späteren Lebens an einer Hüftgelenksdysplasie erkrankt.
Bei dieser Erkrankung spielen auch noch andere Faktoren eine entscheidende Rolle.
In meiner Praxis beobachte ich häufig, wie Besitzer Ihre Junghunde überfüttern
(Babyspeck). Eine kalziumreiche Fütterung, etwa mit Knochenmehlzusätzen,
von Züchtern auch heute noch fälschlicherweise häufig empfohlen,
sind mitunter "Bausteine" für eine spätere Hüftgelenksdysplasie.
Normales Futter genügt.
Vitamin D ist nötig, um das mit der Nahrung aufgenommene Kalzium durch
den Darm aufzunehmen. Vitamin D wird natürlicherweise durch die Sonnenbestrahlung
aufgebaut. Ein Unterangebot könnte also allerhöchstens in den sonnenarmen
Wintermonaten vorkommen. Die heute im Handel erhältlichen Futtermittel
sind alle genügend mit Vitaminen und Kalzium angereichert. Gerade in der
Phase des grössten Wachstumsschubs, im Alter zwischen drei und acht Monaten,
bewirken zu hohe Gaben von Kalzium und Vitamin D, verbunden mit einem übermässigen
Futterangebot, ein zu forciertes Wachstum. Zu rasches Wachsen führt aber
häufig zu Störungen im Knorpel- und Knochenbereich. Zahlreiche Erkrankung
können die Folge sein.
Zu den ersten Symptomen einer HD zählen schwankender Gang, Hinterhandsschwächen
und Lahmheiten. Die Diagnose wird mittels des Röntgenbildes gestellt. Dabei
wir der Hund in einer leichten Narkose geröntgt. An Hand der Röntgenaufnahme
kann dem Hundebesitzer gesagt werden, ob sein Hund keine oder welche Form einer
HD hat. Man unterteilt die HD-Formen in die Gruppen A, B, C, D und E. Bei der
Gruppe A ist kein Anzeichen einer HD zu finden, und Gruppe E bedeutet schwere
HD-Form.
Hunde, die zur Zucht vorgesehen sind, sollten erst im Alter von über einem
Jahr geröntgt werden. Die Bilder werden zur Auswertung zusammen mit dem
Stammbaum an die Universität Zürich oder Bern geschickt. Die meisten
heutigen Rassenverbände verlangen von ihren Mitgliedern, dass nur mit Hunden
der Gruppen A oder B gezüchtet werden darf.
HD-Formen der Gruppe D und E sind äusserst schmerzhaft und in schweren
Fällen ist eine Euthanasie (Einschläfern des Hundes) die einzig sinnvolle
Hilfe für das Tier.
Vielfältige Behandlung
Die Behandlung der Hüftgelenksdysplasie ist so vielfältig und unterschiedlich
wie kaum eine andere Erkrankung: sie reicht von Homöopathie, über
Akupunktur, Laserstrahlbehandlungen bis zu schulmedizinische Therapien. Meist
werden nicht steroide-oder kortisonhaltige Medikamente im Anfangsstadium verabreicht.
Eine operativer Eingriff kann vonnöten sein, falls der Hund auf eine medikamentöse
Therapie nicht anspricht. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Operationstechniken,
vom einfachen Muskelschnitt bis hin zum Ersatz durch ein künstliches Hüftgelenk,
wie wir es vom Menschen her kennen.
Da sich kaum ein Fall mit dem andern vergleichen lässt, muss mit dem Besitzer
zusammen die geeignete Therapie gesucht werden.
Hunde mit Hüftgelenksproblemen sollten sicher nicht durch Spaziergänge
auf Asphaltstrassen oder durch Bergwanderungen belastet werden. Weiche Böden,
wie wir sie in Wäldern und auf Wiesen antreffen, sind für solche
Tiere sicher die schonenderen Unterlagen.
Es muss in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden, dass Mischlinge genauso
wie Rassenhunde an Hüftgelenksdysplasie erkranken können.
© Heinz Berli
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