Herzerkrankungen
Das Herz ist ein Wunderwerk der Natur. Je nach Grösse des Tieres, zieht
sich der Herzmuskel beim Hund rund 60 bis 130 Mal, bei der Katze rund 110 bis
140 Mal pro Minute zusammen. Kein anderer Muskel im Körper der Tiere (und
den Menschen!) muss eine solche Leistung so zuverlässig über Jahre
hinaus bewerkstelligen.
Das Herz ist ein sogenannt quergestreifter Muskel, der jedoch nicht dem Willen
seines "Besitzers" untersteht. Die vom Herzen erzeugten elektrischen
Ströme, beziehungsweise Spannungen sind im sogenannten Elektrokardiogramm
(EKG) bildlich darstellbar. Diese charakteristischen Kurven können für
eine Diagnose ausgewertet werden.
Das Herz pumpt das Blut aus der rechten Herzkammer durch die Lunge. Dort wird
das Blut mit Sauerstoff versorgt. Dann fliesst es in den linken Vorhof. Von dort
gelangt das Blut in die linke Herzkammer und wird von da aus in die Organe (Hirn,
Niere, Leber, etc.) des Körpers gepumpt.
Das arterielle Blut (mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichert) versorgt
jede einzelne Zelle des Körpers. Im Austausch werden dort Kohlendioxid
und Abbauprodukte ausgeschieden und vom Blut aufgenommen. Dieses venöse
Blut gelangt über die Venen wieder in den rechten Vorhof in die rechte
Herzkammer: Das ist der grosse Blutkreislauf. Das venöse Blut wird in der
Lunge vom Kohlendioxid befreit und erneut mit Sauerstoff angereichert. Hier
handelt es sich um den kleinen Blutkreislauf.
Wenn Störungen auftreten
Ein Unterbruch der Sauerstoffzufuhr von nur drei bis fünf Minuten kann
zu nicht wieder gutzumachen Schädigungen an Organen, vor allem den Gehirn
führen.
Doch nicht immer funktionieren das Herz und das Herz-Kreislauf-System lebenslänglich
störungsfrei. Selten haben Hunde angeborene Herzfehler. Diese können
zum Teil operativ behoben werden. Infektionen, degenerative Prozesse, Tumoren
oder Klappenfehler sind häufiger auftretende Herzstörungen.
Hustenreiz, nachlassende Aktivität, Atemnot oder Ohnmachtsanfälle
sind einige der zahlreichen Symptome, die bei einer mangelhaften Funktion des
Herzens (Herzinsuffizienz) auftreten können. Die wohl häufigste Störung
beim alten Hund sind Herzklappenfehler. Bei Katzen tritt diese Störung
aber eher selten auf. Katzen leiden dafür häufiger unter sogenannten
Kardiomyopathien.
Manchmal hilft nichts mehr
Mittels Auskultation (Abhören), Röntgen, EKG, Ultraschall und Labor
wird die Diagnose bei einer Herzerkrankung gestellt.
Die Behandlung des herzkranken Tieres richtet sich in erster Linie auf die Beschwerden
aus. Meist finden sich bei solchen "Patienten" auch noch Lungenprobleme
in Form eines Lungenödems (Flüssigkeit in der Lunge).
Einmal begonnene Herztherapien müssen in der Regel bis zum Ableben des
Tieres weitergeführt werden. Solche "Patienten" werden heute
mit ACE-Hemmern behandelt. Meist genügt eine einmalige Gabe Tabletten pro
Tag, um dem erkrankten Tier wirklich Erleichterung zu verschaffen und seine
Beschwerden wirkungsvoll zu lindern.
In schweren Fällen wird dieses Medikament mit Entwässerungsmedikamenten
oder Digitalispräparaten kombiniert. Eine Fütterung mit speziell kochsalzarmen
Herzdiätfutter kann sich manchmal als sinnvoll erweisen.
Doch nicht immer ist die Veterinärmedizin imstande zu helfen. Trotz Medikamenten
und Fütterungsumstellung kann sich der Zustand des Tieres verschlechtern.
In solchen Fällen sollte das betroffene Tier von seinem Leiden erlöst
werden. Denn oft kann ein solcher "Patient" wegen eines Lungenödems
nur noch unter schwersten Bedingungen atmen. Ein Erstickungsanfall würde
das Tier zudem in einen unnötigen Angstzustand versetzen.
© Heinz Berli
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