Das Knie als Schwachpunkt
Der Schäferhund "Mirko" liebt es, auf offenem Feld herumtollen.
Und wenn er dann noch über Zäune oder über einen Graben springen
kann, ist sein Hundeglück vollkommen. Doch vor einigen Wochen wurde dieses Glück
jäh getrübt: "Mirko" landete nach einem seiner Sprünge
ziemlich unsaft und hinkte nachher nur noch auf drei Beinen davon.
Der zugezogene Kleintierspezialist musste den wimmernden Hund zuerst mit einer
Beruhigungsspritze ruhigstellen (sedieren). Dann hatte er die Diagnose schnell
gestellt: "Mirko" zog sich einen Kreuzbandriss am rechten vorderen
Kniegelenk zu.
Künstliches Ersatzband
Doch "Mirko" hatte Glück im Unglück: Der chirurgisch gewandte
Tierarzt ersetzte das gerissene Kreuzband in einer Operation durch ein künstliches
Ersatzband. Jetzt tollt "Mirko" wieder herum wie eh und je.
Das Kniegelenk umfasst den Gelenkknorpel, den mittleren (medialen) und seitlichen
(lateralen) Meniskus, vier Bänder, davon zwei Kreuzbänder und zwei
Kollateralbänder, und eine geräumige Gelenkkapsel. Im geraden Kniescheibenband
eingebettet findet sich die Kniescheibe (Patella) vor.
Die nachfolgenden Knieprobleme treten am häufigsten bei unseren Tieren
auf: Der Kreuzbandriss lateral und medial ist durch ein Trauma verursachte Verletzung.
Zu 90 Prozent reisst dabei das laterale Kreuzband. Diese relativ häufige
Verletzung ist bei grösseren Hunderassen, aber auch bei Katzen nach Stürzen
immer wieder anzutreffen.
Die Diagnose wird am sedierten Tier gestellt. Dabei kann eine sogenannte vordere
oder hintere "Schublade" ausgelöst werden. Eine Operation mit
Bandersatz ist bei dieser Verletzung angezeigt. Ansonsten kann es im Kniegelenk
zu einer schweren Arthrose kommen.
Die Kollateralbandüberdehnung oder der -riss ist eine Verletzung der seitlich
am Kniegelenk angelegten Bänder. Sie tritt meist nach Unfällen mit
Autos auf. Sie verursacht einen Knieschmerz und muss durch Ruhigstellung des
Kniegelenks behandelt werden. Seltener ist eine Operation vonnöten. Diese
Verletzung tritt auch häufig in Kombination mit einem Kreuzbandriss und/oder
Meniskusverletzung (Meniskusläsion) auf.
Eine Meniskusläsion wiederum tritt im Zusammenhang mit einem Trauma auf.
Meist ist sie mit einem Kreuzbandriss verbunden. Bei dieser Verletzung ist die
Diagnose schwieriger zu stellen. Erst die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) oder
die Eröffnung des Kniegelenks lässt nach einer Verdachstsdiagnose
die endgültige Diagnose zu.
Bei der Kniescheibenausrenkung (Patellarluxation) hinkt oder läuft das
betroffene Tier für einige Schritte auf nur drei Beinen und kann dann wieder
völlig normal weitergehen. Die Erkrankung kann vererbt werden und ist meist
bei kleineren Hunderassen, z.B. Yorkshire Terrier oder Chihuahua anzutreffen.
Unfallbedingt ist die Kniescheibenausrenkung bei allen Tieren möglich.
Bei leichteren Fällen kann auf eine Operation verzichtet werden, denn diese
Krankheit verläuft meist ohne Schmerzen . Schwerere Fällen sollten
bei einem chirurgisch ausgebildeten Tierarzt operiert werden.
© Heinz Berli
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