Wenn Haustiere erbrechen müssen
Wenn Schnee Wiesen und Felder bedeckt, dann freuen sich die Hunde mit ihren
Besitzern über die weisse Pracht. Die Hunde tollen im Schnee herum, lecken
und fressen ihn. Brechdurchfälle sind dann oft die Folge solchen Tuns.
Für Tierärzte ist dies jedoch ein leicht zu behandelndes Uebel.
Aber nicht jedes Erbrechen hat eine so klare Ursache und ist in der Folge harmlos.
Beim Erbrechen handelt es sich meist nur um ein Symptom für eine Störung,
deren Ursprung durch den Tierarzt gefunden werden muss. Erbrechende Tiere werden
von uns Tierärzten immer als ernstzunehmende Patienten angesehen, weil
recht häufig schwerwiegende Erkrankungen im verborgenen blühen.
Es gibt viele Ursachen, weshalb Tiere sich erbrechen müssen. Dazu zählen
Infektionen, Fremdkörper, Allergien, Leberschäden oder ungenügende
Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
oder ein Tumor.
Infektiös und mechanisch
Das Erbrechen bei Tieren kann man in groben Zügen in infektiöse und
mechanisch bedingte Ursachen einteilen. Für Infektionen sind Bakterien
und Viren verantwortlich. Zu den virusbedingten Infektionen beim Hund sind etwa
die Coronavirusinfektion, die Parvovirose, die Staupe und die Leptospirose zu
zählen. Leukose und FIP (Felien infektioöse Peritonitis) gehören
zu den Hauptvirusinfektionen bei Katzen.
Allgemein führen verschiedene Bakterienarten zu Durchfall und Erbrechen,
wenn sie über verdorbene Lebensmittel oder mit verunreinigten Wasser oder
Schnee aufgenommen werden. Speziell bei weiblichen Tieren reizt eine Vereiterung
der Gebärmutter (Pyometra) häufig das Brechzentrum.
Zu den mechanischen Ursachen die bei Tieren zum Erbrechen führen können,
zählen Fremdkörper, die Einstülpung des Darmes (Invagination)
oder die Magendrehung. Sie erfordern in den meisten Fällen eine operativen
Eingriff. Im Fall der Magendrehung können oft gar Minuten über Tod
oder Leben eines Hundes entscheiden. Wenn Tiere ohne infektiösen oder mechanischen
Grund erbrechen, könnte eine Herzschwäche oder Futterallergie der
Auslöser sein.
Ausführliche Untersuchung
Zu den wichtigsten Anhaltspunkten, um eine Diagnose zu stellen, zählen
Rasse, Geschlecht, Alter und die Vorgeschichte. Später werden die Laboruntersuchung
(Blut-, Urin- und Kotuntersuchung), das Abtasten (Palpation), die Temperaturkontrolle
und Röntgenuntersuchung (mit oder ohne Kontrastmittel) eine genauere Diagnose
erlauben.
Eine Therapie des Erbrechens richtet sich immer nach dem auslösenden Faktor.
So genügt bei einem Hund mit einer Mandelentzündung meist schon die
Pinselung der erkrankten Mandeln mit einer Jodlösung. Bei einem Hund, der
einen Fremdkörper verschluckt hat, kann aber ein operativer Eingriff notwendig
werden.
Wenn ganz junge oder alte Tiere häufig erbrechen, muss der Flüssigkeits-
und Elektrolytverlust vom Tierarzt mit Infusionen korrigiert werden. Dabei soll
jedes Erbrechen ernstgenommen und genau abgeklärt werden, bevor eine sinnvolle
Therapie eingeleitet werden kann.
Erbricht ein Tier einmal, ist aber ansonsten völlig munter und frisst normal
und zeigt keinerlei Beschwerden, dann muss sicherlich nicht gleich der Tierarzt
verständigt werden.
Die immer angezeigte rektale Temperaturkontrolle (Normal-Temperatur bis 39.0
C) sollte
gemacht werden und dem Hund nur verdünnter Schwarztee angeboten werden,
da die Tiere häufig erst bei häufigem Erbrechen und gestörtem
Allgemeinbefinden sollte der Tierarzt konsultiert werden.
© Heinz Berli
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