Katzen: Täglich drohen Gefahren
Kater Felix verspürt das Frühlingserwachen und macht sich auf die
Suche nach rammigen Kätzinnen. Blind vor aufkeimender Liebe überquert
der sonst so vorsichtige Kater eine belebte Strasse. Das Quietschen eines bremsenden
Autos ist das letzte, was Kater Felix noch vernimmt, bevor er sein Bewusstsein
verliert. Angeschlossen an Schläuchen erwacht er wieder beim Tierarzt.
Die Strasse ist nur eine der zahlreichen Gefahren, die unseren Katzen drohen.
Täglich werden uns Tierärzten verunfallte Tiere mit mehr oder weniger
schlimmen Verletzungen in die Praxis gebracht: Knochenbrüche, Blasenquetschungen
oder –risse, Milz- und/oder Leberrisse und Zwerchfellrisse sind nur einige
Beispiele von Verletzungen, die wir im Zusammenhang mit Autounfällen erleben.
Unbeabsichtigte «Flüge»
Fensterstürze sind bei Katzen an der Tagesordnung. Meist geschieht dies
aus Unachtsamkeit beim Versuch einen vorbeifliegenden Vogel zu erwischen. Glücklicherweise
verlaufen die meisten dieser unbeabsichtigten „Flüge“ glimpflich,
egal, aus welchem Stockwerk eine Katze abstürzt. Denn nicht die Höhe,
sondern die „Landebahn“ entscheidet über die Art der Verletzung.
In diesem Zusammenhang haben viele Katzen tatsächlich sieben Leben, wie
der Volksmund sagt.
Kopfverletzungen treten bei solchen Abstürzen häufig auf, da bei der
Landung der Kopf nachwippt. Dadurch kommt es oft zu Unterkieferbrüchen,
Gaumenspaltenrissen und Nasenbluten. Diese mit Blut verschmierten Tieren sehen
sehr dramatisch aus, sie sind jedoch meist schnell wieder in Ordnung gebracht.
Hauskatzen drohen aber noch andere Gefahren: Kippfenster sind zwar praktische
Einrichtungen für uns Menschen. Doch für Katzen können sie zu
tödlichen Fallen werden. Eingeklemmte Tiere brechen sich häufig die
Wirbelsäule beim Versuch, sich aus dieser Falle zu befreien. Heisse Herdplatten
führen immer wieder zu Verbrennungen der Pfoten, wenn sich die Katze einen
Leckerbissen erhaschen will. Im Sommer lassen Wespenstiche im Mundbereich den
Gaumen anschwellen und führen zum Atemnot.
Ist ein Unfall geschehen, sind sowohl Besitzer wie Tier geschockt. Dann heisst
es, Ruhe zu bewahren. Zuerst muss das Tier beruhigt werden. Oft flieht es, dann
muss es wider eingefangen werden (was häufig die schwierigste Angelegenheit
ist). Dann muss man das Tier auf seine Lebensfunktionen überprüfen.
Dazu muss man wissen, dass die Atemfrequenz bei einer gesunden Katze 20 bis
30 Atemzüge pro Minute beträgt. Beim geschockten oder verletzten Tier
steigt dieser Wert auf über 40 pro Minute. Das Herz einer gesunden Katze
schlägt zwischen 110 und 140 Mal pro Minute. Bei einer geschockten Katze
steigert sich der Puls auf weit über 140 Herzschläge.
Auge als Anhaltspunkt
Innere Verletzungen mit Blutungen sind für einen Laien schwer feststellbar.
Ein Anhaltspunkt kann bei der Katze die Farbe der Augenbindehaut sein. Im Normalfall
ist sie Rosa gefärbt, bei Schock oder Blutungen verfärbt sie sich
blass bis weiss.
Ist ein schwerer Unfall passiert, sind unverzüglich lebensrettende Sofortmassnahmen
wie etwa die Blutstillung zu treffen. Dann ist der Tierarzt zu benachrichtigen.
Brüche der Gliedmassen sind zwar ernsthafte Verletzungen, sie sind jedoch
nicht lebensgefährlich. Generell ist es immer besser, den nächsten
Tierarzt um Rat zu fragen, wenn eine Verletzung der inneren Organe nicht auszuschliessen
ist.
© Heinz Berli
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