Krebs: Die Geissel der Haustiere
Beim Streicheln ihres achtjährigen Katers Felix bemerkt seine Besitzerin
eine Veränderung auf seiner Haut. Sie schenkt dem Ganzen vorerst keine
weitere Beachtung. Erst als die Hautanomalie immer grösser wird, bringt
sie Felix zum Tierarzt. Dieser tippt nach einer ersten Untersuchung auf einer
Hauttumor. Die histologische Untersuchung im Pathologischen Institut bestätigt
die Diagnose.
Kater Felix gehört zu der grossen Schar von Haustieren, die an Tumoren
erkranken. Doch der Tiermedizin stehe heute bei dieser Erkrankung zahlreiche
Therapien zur Verfügung. Nebst der wohl häufigsten Behandlung des
Tumors mittels der Chirurgie, sind auch die Chemotherapie, die Röntgenbestrahlung
und die Kryochirurgie (Vereisung) in der Veterinärmedizin verankert.
Lebensbedrohend
Tumoren, Geschwülste, Gewächse, Neoplasien und Krebs sind alles Ausdrücke
für die Neubildung eines sich in seinem Wachstum abartig verändernden
Zellverbands. Ein solcher kann sich lebensbedrohend auf die Gesundheit eines
jeden Lebewesens auswirken.
Man unterscheidet gutartige und bösartige Tumoren. Gutartige Tumoren wachsen
langsam. Sie sind meist gut abgrenzbar und neigen nicht dazu, Tochtergeschwülste,
sogenannte Metastasen, zu bilden.
Bösartige Tumoren, also Krebs, wachsen schnell und infiltrierend. Sie neigen
dazu, in anderen Organen Metastasen zu bilden. Zur Bestimmung der Tumorart muss
ein Teil des Tumors entnommen werden. Im Pathologischen Institut werden dann
feine Schnitte angefertigt und die Zellen unter dem Mikroskop beurteilt.
Die Diagnose „gutartig“ oder „bösartig“ erlaubt
es, eine Prognose über den weiteren Verlauf des Gesundheitszustandes zu
stellen.
Auch bei einer Diagnose „bösartig“ braucht das Tier nach der
Operation nicht zwangsläufig erneut zu erkranken oder gar zu sterben. Vielmehr
sollte das Tier nach der Entfernung eines solchen Tumors regelmässig „nachuntersucht“
werden. Bei gewissen bösartigen Tumoren kann sich im Anschluss an die Operation
eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlungstherapie als sinnvoll erweisen.
Erfolg und Misserfolg
Jedes Organ des Körpers kann von einem Tumor befallen werden. Doch haben
gewisse Organe bei einem Tumorbefall eine sehr ungünstige Prognose. Dazu
gehören beispielsweise das Gehirn, die Lunge, die Leber, das Herz, die
Bauchspeicheldrüse, die Blase und die Prostata. Hingegen ist bei der Milz,
beim Befall nur einer Niere, der Haut und dem Gesäuge (Mamma) ein chirurgischer
Eingriff recht häufig mit einem dauernden Erfolg verbunden. Bei unkastrierten
Hündinnen stehen übrigens die Mammatumore an erster Stelle.
Das gutartige Lipom, eine Entartung der Fettzellen, ist bei übergewichtigen
Tieren recht häufig anzutreffen. Hauttumoren der verschiedensten Art finden
sich bei allen Tierarten. Bei der Katze tritt das Lymphosarkom im Zusammenhang
mit der durch Viren verursachten Leukose auf. Ratten haben durch Ueberzüchtung
begünstigte erhöhte Tumorneigung.
Tierbesitzer sollten sich aber von der Diagnose nicht gleich entmutigen lassen.
Die Mehrzahl der bei unseren Haustieren anzutreffenden Tumoren kann dauerhaft
entfernt werden. Die betroffenen Tiere sterben meist eines natürlichen
Todes.
Jede Veränderung am Tier sollte beobachtet werden und dem Tierarzt gezeigt
werden. Nicht jeder Tumor soll oder muss immer sofort entfernt werden. Für
die Beurteilung, ob ein chirurgischer eingriff vonnöten ist, können
die Grösse , der Ort und das Wachstum des Tumors sowie das Alter des Tieres
ausschlaggebend sein.
© Heinz Berli
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